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Drei Jahre, eine Mission.

Martin Meyer im Kursraum am ersten Kurstag von Professionals in Residence, 2023
Martin am allerersten Kurstag von Professionals in Residence, 2023

Drei Jahre. So lange ist es her, dass wir eine Reise begonnen haben, deren Tragweite wir damals nur erahnen konnten.

Ich komme aus der Startup-Welt. Schnelle Zyklen, schnelle Entscheidungen, schnelle Ergebnisse. Dann betrat ich eine Welt, die nach völlig anderen Regeln funktioniert: den Arbeitsmarkt, seine Strukturen, seine Institutionen, seine Menschen. Es war Ende 2022, ChatGPT war gerade auf die Weltbühne getreten, und in den Gesprächen, die ich damals führte, spürte man etwas, das zwischen Aufbruch und Unbehagen schwankte. Wir ahnten: Das hier wird gross. Und es wird nicht nur Technologie verändern, sondern die Art, wie wir arbeiten, denken und uns als Gesellschaft organisieren.

Wir haben damals das „Professionals in Residence"-Programm ins Leben gerufen. Nicht, weil wir alle Antworten hatten, sondern weil wir überzeugt waren, dass die richtigen Fragen gestellt werden mussten.

Was passiert mit Fachkräften, deren Berufsbilder sich über Nacht neu definieren? Wie bereiten wir Menschen auf eine Zukunft vor, die niemand präzise vorhersagen kann? Und wer übernimmt eigentlich die Verantwortung dafür, dass dieser Wandel nicht nur effizient, sondern auch gerecht verläuft?

Seither ist viel passiert. Vier Venture im Kontext von AI, Applied Technology & Education. Wir haben zudem den Innovationsverband Schweizer Arbeitsmarkt (ISA) aufgebaut. Wir sind in Bereiche der Verwaltung und Gesellschaft vorgestossen, die uns vorher fremd waren. Wir haben Menschen getroffen, deren Ambitionen und Ideen uns immer wieder daran erinnert haben, warum wir das tun, was wir tun. Aus Begegnungen wurden Verbindungen, aus Verbindungen echte Freundschaften.

Aber ich will hier nicht nur feiern. Es gab Momente des Zweifelns. Hürden, die wir nicht kommen sahen. Türen, die sich nicht öffnen wollten oder wieder schlossen. Das Eintauchen in ein Ökosystem, das ich nicht kannte, war manchmal ernüchternd und fast immer lehrreich. Gerade diese Reibung hat die Reise so wertvoll gemacht. Denn wer nur in vertrauten Gewässern schwimmt, wird nie verstehen, wie tief der Ozean wirklich ist.

Was mich heute mehr beschäftigt als vor drei Jahren, ist eine grundlegende Frage: Wie wollen wir eigentlich Zukunft gestalten?

Technologie ist nie neutral. Sie verstärkt, was bereits da ist. Deshalb brauchen wir positive Zukunftsvisionen, Menschen, die den Wandel nicht nur managen, sondern ihm eine menschliche Richtung geben. Genau das meinen wir, wenn wir von „Applied Technology" sprechen. Nicht Technologie um der Technologie willen, sondern Technologie im Dienst der Menschen.

Ich bin überzeugt, dass Professionals ein neues Mindset brauchen. Nicht das nächste Buzzword-Bingo, sondern echte Anpassungsfähigkeit. Die Fähigkeit, sich selbst Möglichkeiten zu schaffen, statt darauf zu warten, dass jemand sie einem vor die Füsse legt. In gewisser Weise werden wir alle zu Unternehmerinnen und Unternehmern unserer eigenen Laufbahn. Das ist gleichzeitig befreiend und beängstigend und wir sollten ehrlich genug sein, beides auszusprechen.

Der Arbeitsmarkt verändert sich in einer Geschwindigkeit, die historisch wenig Vergleichbares kennt.

Die gesellschaftlichen Fragen, die sich daraus ergeben, im Kontext von KI, Automatisierung und dem sich verschiebenden Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, sind zu gross für einzelne Akteure. Genau deshalb gibt es den Innovationsverband, die Graduate School of Applied Technology & Management und unser Workforce Lab: als Orte, an denen neue Ideen nicht nur erdacht, sondern erprobt und in die Wirklichkeit getragen werden.

Nach drei Jahren bin ich vor allem eines: dankbar. Für die Kontakte, die Verbindungen und Freundschaften. Für jedes Gespräch, das meinen Blick geweitet hat. Ein ganz besonderer Dank gilt Martin, den ihr hier auf dem Bild seht. Ich bin froh, diesen Weg gemeinsam mit ihm zu gehen. Ohne seine Leidenschaft, seine Energie und seine Bereitschaft, auch dann unermüdlich (und wir waren müde!) weiterzumachen, wenn der Wind von vorne kam und kommt, wäre vieles von dem, was wir aufgebaut haben, nicht möglich gewesen.

Drei Jahre liegen hinter uns. Jahrzehnte liegen vor uns. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst.

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